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VAN MORRISON - LIVE - THE PERFORMANCES



2016-09-21

last public update: Wednesday, 13-Dec-2017 13:58:23 CET
Songs Length
0h08m13s
Zuendfunk Interview, airdate
Setlist
0:08:13.00
LengthShowStatContainer
Review(s)
Van Morrison: Es ist leider so: die meisten Labels zucken bei Künstler meines Alters nur müde mit den Schultern, wenn wir ihnen neue Songs vorspielen. Das kann einem ganz schön Angst einjagen, aber so ist es nun mal. Lieber erbrechen und erbrechen sie den alten Kram und verwerten den Backkatalog. Ich fühle mich immer mehr als Jazzer und nicht als Rock’n’Roll-Typ. Jazz als Abgrenzung von der Pop-Maschine, das ist meine Philosophie!

Zündfunk: "Keep me singing" ist dein 36. Studio-Album, du hast also schon eine ganze Menge erreicht, oder? Du hast also immer noch ein bewundernswertes Arbeitsethos. Hast du das von den Deutschen gelernt, damals als du jedes Wochenende hier gespielt hast, diese strenge Disziplin?

Da hast du vermutlich recht. Diese vielen Shows in den Clubs damals, da musstest du diszipliniert sein, vor allem wenn jeder Gig anders sein sollte. Wenn du jeden Abend sieben Sets spielen musst, vielleicht insgesamt neun an einem Wochenende, dann war das richtig harte Arbeit. Vielleicht war die Zeit damals wirklich eine Art Blueprint für alles, was ich danach gemacht habe. Nur dann verlierst du selbst nicht das Interesse.

Wie ist es heute mit dem Songwriting? Fällt es dir leichter oder wird es immer schwieriger, weil du ja so viel schon gesagt und veröffentlicht hast?

Eigentlich wird es schon immer schwieriger mit der Zeit. Als ich noch jünger war, war ich noch viel idealistischer. Ich habe immer einen gewissen Rahmen benutzt. Und mich an meinen Vorbilder abgearbeitet. Bobby Bland hat mich schwer beeinflusst, Sam Cooke war ein Role Model. Solomon Burke und die ganzen Soul-Sänger. Das war sozusagen die Erbpacht für meine Songs. Und es waren in aller Regel Love-Songs, ja, genau: Love-Songs. Oder nimm Songs wie „Wonderful Remark“ – ich hab einfach geschrieben, was ich erlebt habe:

"How can you tell us something just to keep us hanging on, you know? When we see it, you are gone - Clinging to some other rainbow - While we’re standing, waiting in the cold - Telling us the same old story - Knowing time is growing old."

Der Song ist noch genauso gültig wie damals. Du musst in diesem Business deine Gegner kennen. Alles ist hier sehr feindselig. Das ist etwas, worüber die Medien fast nie berichten: Wenn du ein Album herausbringen willst, dann musst du durch Feindesland und kämpfen. Das hat sich in all den Jahren nicht verändert. Musikmachen ist nicht einfach nur Magie und ein kreativer Prozess. Die ganze Zeit musst du dich um all die Nebengeräusche kümmern, um all das, was sich im Hintergrund zusammenbrauen kann. Wenn du das nicht tust, dann bist du ganz schnell weg vom Fenster. Wie viele Musiker kennst du von früher, die wie vom Erdboden verschluckt sind. Mundtot sind – du weißt, was ich meine, oder?

Fühlst du dich oft missverstanden?

Nein, eigentlich nicht. Aber man wird halt gerne immer wieder in die gleiche Schublade gesteckt. Jahrzehnte lang. So funktioniert moderner Journalismus. Die nageln dich fest. Es geht immer wieder darum, was du in den 70ern gemacht hast oder in den 80ern. Und alle schreiben davon ab. In den 70ern hab ich mal einem Typen von Radio 2 ein Interview gegeben, ich kann mich nicht mehr an seinen Namen erinnern. Aber das Interview lief nicht gut. Und seitdem hat der Typ einen Groll auf mich. Und wann immer kann, würgt er mir eine rein. Immer noch. Vielleicht kommt das noch aus dieser Zeit, dass jeder denkt, dass ich so eine Miesmuschel bin und nicht lustig. Und niemand will deine neuen Sachen promoten, nur das, was du vor Ewigkeiten gemacht hast, in den 60er oder 70er Jahren. Und da hängst du dann fest in der öffentlichen Wahrnehmung. Weil es einfacher für die Journalisten ist. Sie müssen nicht groß Arbeit in den Artikel stecken. Sie wiederholen einfach die drei, vier Klischees über den Künstler und das wars dann.

“Them” gab es nur ganz kurz, aber die Band hatte einen großen Einfluss, vor allem auf Punk Rock. Wie denkst du heute darüber?

Mit dieser Mythologisierung kann ich nicht so viel anfangen, das ist eine andere Ära. Aber auch mit Them war vieles ganz anders. Eigentlich gab es diese Band zunächst nur, damit wir jeden Freitag Abend in einem R’n’B Club live spielen können. Recht viel mehr war da gar nicht, es gab keinen Masterplan. Wir wollten nie auf Tour gehen, uns promoten, Platten machen. Der Pianist hat sofort wieder aufhören müssen, weil er noch zur Schule ging. Musiker kamen und gingen. Them war nicht viel mehr als der Name. Der Manager sagte mir irgendwann: "Solange du singst, ist es mir egal, wer dich begleitet". Ich sagte: "Mir ist das nicht egal, das ist so unsicher, das wird nicht lange halten". War ihm aber auch egal. Dann sagte ich ihm: "Gut, dann schreiben wir meinen Namen drauf, ich suche mir dann schon ein paar Musiker, ich muss das ja auch verantworten". Und dann ging ich ins Studio und nahm drei Songs auf: “My Lonely Sad Eyes”, “Could You Would You” und “I Can Only Give You Everything”.

Ich dachte, diese Songs seien der Grundstock für mein Soloalbum. Und dann ist folgendes passiert: Während ich in LA ein paar Gigs spielte, brachten sie die Tracks wieder unter dem Namen Them raus, obwohl kein einziger Them-Musiker mehr dabei war. Er hat mich komplett hintergangen. Das ging soweit, dass mir Leute schrieben, sie seien von den neuen Them Songs begeistert. Und ich musste sagen: „Von Them hat da keiner mitgespielt“. So lächerlich und verlogen war die ganze Situation damals. So läuft es im Musikbusiness und ich würde sagen: Heute ist es noch weit schlimmer.

Du steckst also in der Falle?

Klar stecke ich in der Falle. So ist es nun mal. Sie stellen dir immerzu Fallen, und wenn du Erfolg haben willst, dann musst du stillhalten und mitspielen. Wenn nicht, dann bist du verloren. Das ist der Preis, den ich zu zahlen habe, wenn ich weitermachen will. Ich habe keine andere Wahl, ich muss Musik machen, ich hab das im Blut. Ich sage es nochmal: das ist für mich der Unterschied zwischen Jazz und Rock. Das eine ist Musik, das andere steht für Business. Du musst wissen, mit welcher Haltung du da rangehst.

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